Die Literatur ist da, wenn man sie braucht!

„Machen ist wie wollen. Nur krasser.“

Treppenhaus, Alte Post Lindenau

Die „Naturkatastrophe in Zeitlupe“ (Christian Drosten) beeinflusst seit Monaten alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Es soll Menschen gegeben haben, die im Lockdown Gedichte lasen oder endlich Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“; andere durchforsten noch immer das Internet auf der Suche nach neuen Expertenmeinungen, Zahlen, Kurven. „Unsere Welt ist wie ein großer Automat. Wenn der Fremdkörper Virus da eindringt, lehrt er uns vielleicht auch etwas. So wie nach dem Erdbeben von Lissabon 1755 sich die Aufklärung in rasender Geschwindigkeit verbreitete“, fasst Alexander Kluge die aktuellen Herausforderungen für Kunst und Kultur zusammen.

Nach Monaten des Distanzhaltens und reihenweise abgesagten Live-Veranstaltungen erscheinen uns Lesungen und Gespräche, Literatur zum Anfassen – das, wonach wir uns sehnen und wofür wir brennen – noch wertvoller, ihr Genuss noch intensiver. Nach dem gelungenen Neustart im letzten Jahr wird sich auch dieser Literarische Herbst unter Pandemie-Bedingungen anders anfühlen als gewohnt. Flatten the Curve: Die Sicherheit unserer Autor*innen und Besucher*innen steht an erster Stelle. Dennoch freuen wir uns auf eine Woche, die die ganze Bandbreite dessen bietet, was Literatur will und kann. Das reicht vom Gipfeltreffen der besten Debüts des Jahres im Ostpassage-Theater bis zur Lyrikpräsentation im privaten Wohnzimmer, vom Krimiabend starker Frauen in der naTo bis zur Mitmachlesung für Kleine und Große bei den Erfinderkindern, von der ersten Begegnung mit Portugal, dem Gastland der Leipziger Buchmesse 2021, bis zu literarischen Diskursabenden.

Dabei gilt: Gute Bücher kennen kein Verfallsdatum! Wie deutschlandweit mehr als 100 weitere Institutionen zeigen wir mit der Kampagne #zweiterfruehling auch wichtige Themen aus dem Frühjahr.

Neben bewährten Herbst-Formaten wie „Beste erste Bücher“, dem „Lyrikhotel“ oder dem gemeinsamen Campus-Programm mit der Literaturzeitschrift EDIT und der Galerie für Zeitgenössische Kunst freuen wir uns auf neue Kooperationen, etwa die große Alumni-Lesenacht mit Absolventinnen des Deutschen Literaturinstituts Leipzig aus 25 Jahren oder den gemeinsam mit dem Sächsischen Literaturrat organisierten „Buchsalon“.

Die Literatur ist da, wenn man sie braucht. Dazu müssen wir sie allerdings auch ernst nehmen, ihr eine Plattform bieten. Zum Beispiel mit einem Literaturfestival. Wir sind gespannt auf diesen Literarischen Herbst in ganz besonderen Zeiten. Und freuen uns auf Sie, auf euch, unsere Gäste!

Jörn Dege, Nils Kahlefendt, Anja Kösler
und Claudius Nießen